KREATIVSEIN
Wie anfangen, reinkommen, beginnen? Kann ich es entstehen und in mir aufsteigen lassen? Wann komme ich ins Tun?
Was mich abhält: meine eigenen Ansprüche und so eine kleine garstige Stimme im Innern, die entweder behauptet, ich sei es nicht wert, habe es nicht verdient, oder ich könne es ja doch nicht, das wird ja eh nichts, das haben schon ganz andere versucht, die viel mehr von irgendwas waren als ich.
Mir hilft da erstmal das Sammeln. So nenne ich es, wenn ich jeglichen Anspruch weglassen und ohne Plan ergreife, was da erscheint. Es ist wie Brainstorming. Erst mal festhalten, alles darf sein, wie es gerade daher kommt. Ich sammle Ideen, Textstückchen oder Bewegungsschnipsel, mache kleine Zeichnungen oder schreibe zwei, drei Sätze oder nur ein Wort, probiere aus.
Dann kommt Rumschieben und Auffüllen. Manchmal fügt sich an einen Schnipsel ein nächster. Manches bleibt solo, ich hebe es für später auf oder als Anfang für einen neuen Prozess. Ich ziehe Kreise um Ideen und Linien zu einer anderen, wenn ich sie zusammen bringen möchte. Ich verändere Reihenfolgen und entdecke dadurch neue Schwerpunkte und Zusammenhänge. Und so entsteht langsam eine Form, der meistens nur noch ein paar Zwischenstücke fehlen.
Nach dem Sammeln, dann dem Rumschieben und Auffüllen, kommt das Durchkämmen und Liegenlassen. Immer wieder gehe ich durch die Bewegungen oder den Text, um mich von Überflüssigen zu trennen, zu entmisten, zu reduzieren, oder auch neu zu ergänzen. Und dann ist es geschafft, etwas Neues ist entstanden, das Gefühl von – für diesen Moment ist es gut genug – macht sich breit.
Mit herzlichen Grüßen,
Anne Barthelmeß


